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Haas von Klee's 1ster Fall

Haas von Klee und der Fall Mea Lumina

 

Mit schwüler Wärme kamen die letzten Tage des Sommers über die kleine blaue Stadt, wie ein Versprechen, das in diesem Jahr nicht mehr eingelöst werden musste. Das rege Treiben in den Gassen und Geschäften wich in den frühen Abendstunden einer ländlichen Gemütsruhe und während auf dem Rathausplatz der eine oder andere müde dem Feierabend zustrebte, hatte sich die Stadt an ihren hügeligen Ausläufern bereits bis zum völligen Stillstand beruhigt. An diesem unsichtbaren Grenzverlauf verloren jede hektische Aktion und jedes Gewinnstreben ihr Tempo.

Wer sich unter den Bewohnern dennoch die Mühe machte aus dem Tal hinaufzusteigen, dessen Blick ging über das endlose Mosaik verschachtelter, blauer Dächer und weit über die kleine blaue Stadt hinaus. Hier oben, nur wenige Gehminuten entfernt, erstreckte sich in der Abendsonne ein Labyrinth aus niedrigen Feldsteinmauern. Einige markierten die Grenzen der Wiesen und Äcker, andere folgten dem großen Feldweg, der sich trocken und steinig den Hügel hinaufschleppte. Stoppelige, verlassene Felder lagen links und rechts des Weges. Nun führte der Pfad gewunden weiter, bis hinauf zur Spitze der Anhöhe und endete dort bei einem kleinen gepflegten Hof. 

Haas von Klee war auf dem Heimweg, und seine langen Ohren wippten im Rhythmus kurzer Sprünge den Hügel hinauf, als ihm auf halber Höhe der alte Sauerampel auf seinem Traktor entgegen kam. Der junge Bursche machte dem rasselnden Schlepper Platz und hob die Pfote zu einem kurzen Gruß. Sauerampel, sonst immer für ein Schwätzchen gut, nickte nur kurz, schaltete einen Gang hoch und rasselte an Haas vorbei. »Der hat es gut auf seinem Wagen«, dachte Haas. Die neu erworbenen Schuhe drückten doch noch etwas, aber es war ja nur noch ein kleines Stück den Hügel hinauf, dann würde er hinter der Kuppe schon die warmen Lichter des Hofes sehen können.

Hier war er zuhause. Den Abend würde er mit seinen bequemen Pantoffeln an den Füßen und einem Gläschen von Tante Zeldas selbstgebranntem Kräuterlikör auf der Gartenbank verbringen. Das hatte er sich verdient. Eigentlich war Haas hundemüde, denn er war an diesem Morgen schon sehr früh aufgestanden. Außerdem hatte er in der Nacht vor lauter Aufregung kaum schlafen können. Einen so guten Einfall wie am Vortag hatte er nämlich schon lange nicht mehr gehabt. Vielleicht konnte er so das Schlimmste, das auf sie zukommen konnte, noch verhindern. Haas war sicher, so konnte es klappen. Normalerweise hätte er für eine solche Tour Gisbert mitgenommen, aber er hatte das Gefühl gehabt, der Wald wäre nicht der richtige Ort für ihn. Gisbert war manchmal sehr sensibel.

In den ersten Strahlen der Morgensonne hatte er sich an diesem Tag angezogen und schnell einige Happen gefrühstückt. Dann war Haas von Klee den Hügel hinabgesprungen und unten angekommen, nahm er den Weg über die neue Holzbrücke. Dort wandte er sich nach links, und schon einige Hüpfer weiter war er im Schatten des Hohlweges verschwunden. Es hatte alles geklappt wie am Schnürchen. Wahrscheinlich bemerkte sowieso niemand, dass er tagsüber weg war. Tante Zelda vielleicht, aber die würde nicht fragen. 

So nahm er nun, am Abend, zufrieden mit sich selbst, den Weg zurück nach Hause. Zuerst war es Haas gar nicht aufgefallen, doch hier oben, neben der Dornenhecke, die den Weg ein Stück begleitete, wurde das Summen zu deutlich um es zu überhören. 

»Die Grillen. So laut sind sie noch nie gewesen«, dachte Haas.

Es war ein weiches Summen, das allmählich stärker wurde. 

»Sssss, Ssssssssssss Sssssssssssssssssss.«

 

Haas blieb stehen und lauschte …